Psychosomatische Cystitis 2

Inhaltsüberblick

Die Behandlung – wissenschaftlich fundiert und praxiserprobt

In Teil 1 über die Psychosomatische Cystitis wurde erklärt, woher die stressbedingte Blasenentzündung kommt. Nun erklären wir mögliche Therapieschritte.
 

Die American Association of Feline Practitioners (AAFP) und die International Society of Feline Medicine (ISFM) haben gemeinsam evidenzbasierte Leitlinien zur Behandlung der FIC entwickelt. Diese Leitlinien, die Sie unter https://catvets.com/guidelines/practice-guidelines/house-soiling einsehen können, bilden heute die Grundlage jeder seriösen FIC-Behandlung.

 

Multimodaler Behandlungsansatz nach AAFP/ISFM

Die Leitlinien empfehlen einen multimodalen Ansatz, der verschiedene Therapiebausteine kombiniert:

 

Schmerz­management

An erster Stelle steht die Kontrolle der Schmerzen. Die Leitlinien empfehlen hier einen proaktiven Ansatz – also nicht erst behandeln, wenn die Schmerzen offensichtlich sind. Ihr Tierarzt wird dafür in der Regel spezielle Schmerzmittel für Katzen verschreiben. Wichtig: Geben Sie niemals eigenmächtig menschliche Schmerzmittel, diese können für Ihre Katze lebensgefährlich sein!

Stressreduktion durch Umgebungs­optimierung

Die AAFP nennt dies „Multimodal Environmental Modification“ (MEMO). Konkret bedeutet das:

 

Katzentoiletten:

  • Eine Toilette mehr als Katzen im Haushalt
  • Mindestens 1,5-fache Körperlänge der Katze als Mindestgröße
  •  Täglich reinigen, wöchentlich komplett erneuern
  •   * An ruhigen, gut erreichbaren Orten aufstellen

 

Fütterung:

  • Feuchtigkeitsreiche Ernährung (mind. 70% Feuchtigkeit)
  • Mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt
  • Futterplätze von Wasserquellen getrennt
  • Trinkbrunnen oder mehrere Wasserstellen anbieten

 

Ressourcen:

  • Nach der „3×3-Regel“: Mindestens drei verschiedene Ressourcenarten (Ruhe-, Futter-, Toilettenplätze) an drei verschiedenen Orten
  • Alle Ressourcen müssen jederzeit frei zugänglich sein

Die Blasenentzündung Ihrer Katze ist eine Stresserkrankung. Die Therapie kann nur erfolgreich sein, wenn Sie die Stressoren im Umfeld Ihrer Katze erkennen und reduzieren. ⏳ Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg

Verhaltens­modifikation

Die Leitlinien betonen die Bedeutung regelmäßiger, aber nicht erzwungener Spielzeiten. Empfohlen werden:

– 2-3 Spieleinheiten von je 5-10 Minuten täglich

– Simulation von natürlichem Jagdverhalten

– Belohnungsorientiertes Training

– Nutzung von Food Puzzles zur mentalen Stimulation

 

Pheromone und Nahrungs­ergänzung

Die AAFP/ISFM-Leitlinien erwähnen auch unterstützende Maßnahmen wie:

  • Feliway® als Pheromon-Unterstützung
  • Nahrungsergänzungsmittel mit beruhigender Wirkung (z.B. L-Theanin)
  • Omega-3-Fettsäuren zur Entzündungshemmung

 

Überwachung und Dokumentation

Die Leitlinien empfehlen eine sorgfältige Dokumentation des Krankheitsverlaufs. Führen Sie am besten ein „Katzentagebuch“, in dem Sie festhalten:

  • Häufigkeit der Toilettenbesuche
  • Menge und Aussehen des Urins
  • Verhaltensänderungen
  • Stressereignisse im Haushalt
  • Wirkung der eingeleiteten Maßnahmen

 

Prognose und Langzeit­management

Die gute Nachricht aus den AAFP/ISFM-Leitlinien: Bei konsequenter Umsetzung aller Maßnahmen zeigen etwa 75% der Katzen eine deutliche Verbesserung ihrer Symptome. Allerdings – und das muss ich der Ehrlichkeit halber erwähnen – bedeutet das auch, dass bei etwa einem Viertel der Katzen die Behandlung weniger erfolgreich ist.

Die Leitlinien betonen: FIC ist keine Erkrankung, die man „mal eben schnell“ behandelt. Rechnen Sie mit mindestens 6-8 Wochen, bis sich erste deutliche Erfolge zeigen. In dieser Zeit ist Ihre wichtigste Aufgabe die konsequente Umsetzung aller besprochenen Maßnahmen – auch wenn Ihre Katze vielleicht schon symptomfrei erscheint.

Ein letztes Wort

Die FIC ist eine komplexe Erkrankung, die Sie als Besitzer vor große Herausforderungen stellt. Aber lassen Sie sich nicht entmutigen! Mit dem richtigen Verständnis, konsequenter Behandlung und – ja, auch das ist wichtig – einer Portion Gelassenheit lässt sich die Erkrankung in den allermeisten Fällen gut managen.

Bleiben Sie geduldig und denken Sie immer daran: Stress ist nicht nur für Ihre Katze schädlich – auch Sie selbst sollten auf Ihre Balance achten. Denn nur ein entspannter Besitzer kann seiner Katze die Ruhe geben, die sie für ihre Genesung braucht.

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