Psychosomatische Cystitis 1

Inhaltsüberblick

Die feline interstitielle Cystitis aus Sicht des Besitzers

Es gibt wohl kaum eine chronische Erkrankung, die Katzenbesitzer so sehr frustriert wie die feline interstitielle Cystitis (FIC). Und das ist durchaus verständlich, handelt es sich doch um eine Erkrankung, die nicht nur die Katze, sondern oft auch den Halter an seine Grenzen bringt. In diesem Artikel werden wir uns damit befassen, was Sie als Besitzer über diese komplexe Erkrankung wissen müssen.

FIC – was ist das eigentlich?

Das als FIC bekannte Krankheitsbild hat im Laufe der Zeit verschiedene Namen bekommen: Feline Lower Urinary Tract Disease (FLUTD), Feline Urological Syndrome (FUS) oder einfach „Blasenentzündung“. Im Tierarztjargon hört man oft einfach nur „sterile Cystitis“. All diese Bezeichnungen beschreiben eine Erkrankung, bei der die Blase ihrer Katze ohne erkennbare bakterielle Infektion chronisch entzündet ist.

Die FIC ist eine tückische Erkrankung, die scheinbar aus heiterem Himmel auftritt und häufig in Schüben verläuft. Was früher als simple Blasenentzündung missverstanden wurde, entpuppt sich heute als komplexe psychosomatische Erkrankung. Anders ausgedrückt: Die Blase Ihrer Katze reagiert auf Stress mit Entzündung. Unbehandelt führt dies zu einem Teufelskreis aus Stress, Schmerz und weiterer Entzündung.

Welche Katzen sind gefährdet?

Damit sich jetzt niemand entspannt zurücklehnt: Prinzipiell kann es jede Katze erwischen, auch wenn bestimmte Faktoren das Risiko deutlich erhöhen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit seien genannt: Übergewicht, reine Wohnungshaltung, Mehrkatzenhaushalte und – Sie ahnen es schon – Stress in all seinen Formen. Interessanterweise sind besonders häufig mittelalte, männliche Katzen betroffen, die als sehr sensibel beschrieben werden.

Die gute Nachricht ist: Anders als bei der Magendrehung des Hundes handelt es sich nicht um einen unmittelbar lebensbedrohlichen Notfall. Die schlechte Nachricht: Ohne konsequente Behandlung wird die Erkrankung chronisch und kann die Lebensqualität Ihrer Katze massiv einschränken.

Wie kommt es dazu?

Wenn ich das so eindeutig wüsste! Als ich studiert habe, dachte man noch, es läge hauptsächlich an der Fütterung. Dann verdächtigte man Viren, später Bakterien, zwischendurch waren auch mal die Mineralien im Futter schuld. Alle diese Theorien haben sich als zu kurz gegriffen herausgestellt.

Heute wissen wir: Die FIC ist ein klassisches Beispiel für eine psychosomatische Erkrankung. Das bedeutet, die Psyche Ihrer Katze spielt eine zentrale Rolle. Die Verbindung zwischen Gehirn und Blase – die sogenannte Brain-Bladder-Connection – ist dabei der Schlüssel zum Verständnis.

Die Behandlung braucht Zeit - rechnen Sie mit mindestens 6-8 Wochen. Eine dauerhafte Heilung erreichen Sie nur durch konsequente Umsetzung aller empfohlenen Maßnahmen, auch wenn die Symptome bereits verschwunden sind.

Was passiert da genau in meiner Katze?

Stellen Sie sich die Blase Ihrer Katze als eine Art Stressbarometer vor. Bei Stress schüttet das Gehirn bestimmte Botenstoffe aus, die direkt auf die Blasenwand einwirken. Die Blasenwand wird durchlässiger, entzündet sich und wird schmerzempfindlich. Der Schmerz erzeugt weiteren Stress – und schon ist der Teufelskreis in Gang gesetzt.

Die Blase reagiert dabei so empfindlich auf Stress, weil sie evolutionär eng mit dem Sozialverhalten der Katze verbunden ist. Denken Sie nur an das Markierverhalten: Die Blase ist für Katzen nicht nur ein Ausscheidungsorgan, sondern auch ein wichtiges Kommunikationsmittel.

Kann man denn irgendwie vorsorgen?

Das ist eine heikle Frage. Anders als bei vielen anderen Erkrankungen gibt es keine Impfung oder eindeutige Präventionsmaßnahme. Was wir aber definitiv wissen:

  • Eine stressarme Umgebung ist der beste Schutz
  • Ausreichend Rückzugsmöglichkeiten sind unerlässlich
  • Katzentoiletten müssen sauber und leicht zugänglich sein
  • Eine ausgewogene Ernährung mit hohem Feuchtigkeitsgehalt ist wichtig
  • Übergewicht sollte vermieden werden

 

Aber seien wir ehrlich: Auch wenn Sie alles „richtig“ machen, kann Ihre Katze trotzdem eine FIC entwickeln. Das ist frustrierend, ich weiß. Aber statt sich mit Schuldgefühlen zu quälen, sollten Sie Ihre Energie lieber in die Früherkennung der Symptome stecken.

Woran erkenne ich eine FIC?

Die typischen Anzeichen einer FIC sind:

  • Häufiges Aufsuchen der Katzentoilette
  • Nur kleine Mengen Urin werden abgesetzt
  • Schmerzäußerungen beim Urinabsatz
  • Blut im Urin
  • Unsauberkeit
  • Übermäßiges Lecken im Genitalbereich

 

Besonders bei männlichen Katzen kann es im Verlauf der Erkrankung zu einem echten Notfall kommen: dem Harnröhrenverschluss. Wenn Ihre männliche Katze gar keinen Urin mehr absetzen kann, ist das ein absoluter Notfall, der innerhalb weniger Stunden lebensbedrohlich wird.

Die Blasenentzündung Ihrer Katze ist eine Stresserkrankung. Die Therapie kann nur erfolgreich sein, wenn Sie die Stressoren im Umfeld Ihrer Katze erkennen und reduzieren. ⏳ Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg

Was tun, wenn der Verdacht besteht?

Anders als bei der Magendrehung haben Sie bei der FIC Zeit, überlegt zu handeln. Suchen Sie Ihren Tierarzt auf – aber nicht irgendwann, sondern zeitnah. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Erfolgsaussichten.

Was Sie bis dahin tun können:

  • Beobachten Sie Ihre Katze genau
  • Notieren Sie, wann die Symptome aufgetreten sind
  • Überlegen Sie, ob es kürzlich Veränderungen im Haushalt gab
  • Machen Sie wenn möglich ein Foto oder Video der Symptome
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