Herzlichen Glückwunsch zum Leben mit Hund!
Unruhige Nächte mit Pipi-Pausen, kurze Gassirunden statt langem Spaziergang und ein neuer Tages-Rhythmus – das Leben mit einem jungen Hund bedeutet eine große Umstellung. Aber der Einsatz lohnt sich! Wenn Du in den ersten Monaten alles richtig machst, wirst Du mit einem tollen Begleiter für die nächsten Jahre belohnt!
Im Stundentakt nach draußen
Der Tag mit einem Welpen gibt gewisse Strukturen vor. Da gibt es allem voran die Grundregel für das Training der Stubenreinheit: Alle 1,5 Stunden kurz an die frische Luft! Unabhängig von diesem, von der Harnblase vorgegebenen Rhythmus, sollte sich der kleine Vierbeiner immer nach dem Essen, nach dem Schlafen und nach Spielen lösen, d.h. seine Geschäfte machen können. Dafür muss man natürlich nicht lange spazieren gehen. Anfangs sucht man immer wieder den gleichen, ruhig gelegenen Ort – am besten den Garten oder den Hinterhof, später eine ruhige Wiese in der Nähe – auf.
So lernt der kleine Hund schnell den Unterschied zwischen drinnen und draußen kennen. Wichtig: Vor und auch nach den Gassi-Runden besucht ihr auch immer diesen Ort, denn der kleine Hund braucht Ruhe und Entspannung, um sich zu lösen. Der Spaziergang selbst ist oft so aufregend für die Kleinen, dass sie sich nicht lösen können. Stattdessen machen sie 5 Minuten nach der Heimkehr einen „See“ auf den Wohnzimmerteppich. Das Aufsuchen der „Ruhe-Wiese“ verhindert diese Unfälle und hilft Eurem Welpen schnell stubenrein zu werden.
Eingewöhnung eines kleinen Welpen
Aber Stubenreinheit ist bei weitem nicht alles! Vor lauter „süüüß!“ und „niiiiiedlich!“ vergessen wir oft, wie es dem kleinen Familienmitglied gerade geht.
Der Welpe hat schließlich seine gesamte sogenannte „Geborgenheitsgarnitur“ verloren, das heißt, was ihm Sicherheit und Routine gegeben hat, ist nicht mehr da. Er weiß noch nicht, dass wir ihm ein sicheres, neues Zuhause bieten. Erstmal ist vieles nur fremd.
Ein typisches Zeichen für die große Unsicherheit ist das „Stalking“: der Vierbeiner folgt Euch überall hin. Kein Gang zum Klo oder zum Kühlschrank, der nicht von vier kleinen Pfötchen begleitet wird. Jetzt ist die Gefahr für Überforderung am Größten!
Alles ist neu für den kleinen Hund. Deshalb muss man ihn jetzt nicht auch noch bei der gesamten Verwandtschaft vorstellen und auch nicht alle Freunde nach Hause einladen.
Im Gegenteil – das aktuelle Programm lautet: Sich aneinander gewöhnen, die neuen Rituale und Abläufe kennen lernen und das Vertrauen zu den neuen, zweibeinigen Rudelmitgliedern aufbauen, damit man sich von nun an Hand in Pfote in kleine und immer größer werdende Abenteuer stürzen kann.
Anspruchsvolle Balance: Abenteuer und Sozialisierung versus Ruhe und Schlaf zur Verarbeitung
Ab jetzt zeigt sich bei vielen jungen Hunde-Eltern Verwirrung. Man liest vieles und noch mehr scheint sich zu widersprechen. Einerseits wird wegen der jungen Gelenke und weichen Knochen vor zu langen Spaziergängen gewarnt andererseits möchte man die Sozialisierungsphase nutzen
Wie immer liegt die Wahrheit in der Mitte:
In den ersten Wochen nach der Adoption braucht der Welpe Ruhe. Das heißt aber nicht, dass man nicht ins Grüne mit ihm geht. Der Stadtpark, die vielen Freunde der Kinder oder ein Shoppingausflug – all das wäre viel zu viel für den kleinen Vierbeiner!
Statt dessen ab ins Auto oder in den Fahrradkorb (langsam daran gewöhnen und das Rad in den ersten Tagen nur schieben) und an den Wald- oder Feldrand fahren und dann im Grünen in langsamem Welpen-Tempo die Natur erkunden. Viele Begegnungen mit Menschen oder Hunden braucht der kleine Hund noch nicht. Denn in den ersten Wochen brauchen die jungen Welpen viel Routine und Entspannung beim Spaziergang, aber keine Reizüberflutung in der Stadt oder im Park um die Ecke. Die Spaziergänge dürfen ruhig 30 bis 45 Minuten dauern.
Die 5 Minuten-Regel ist allerdings Quatsch. Sie hält sich leider hartnäckig im Internet und in den sozialen Medien und wird sogar von Züchtern manchmal empfehlen. Tierärzte für Verhaltenstherapie halten diese Empfehlung allerdings für sehr gefährlich. Mit so kurzen Zeiten außerhalb der Wohnung ist eine gute Sozialisierung und Wesensförderung ummöglich.
Nach zwei Wochen Routine und Aneinander-Gewöhnen sollte dann an jedem zweiten Tag einen „Abenteuerspaziergang“ auf dem Programm stehen, will heißen: ein neues Gebiet gemeinsam erobern. An den anderen Tagen steht entspanntes Spiel mit gleichaltrigen Artgenossen auf dem Programm.
Dabei sollte man den zeitlichen Bogen, den die Kleinen sowohl körperlich als auch psychisch bewältigen können, nicht überspannen. Kilometerlange Spaziergänge, eine Wanderung und ausgiebige Stadt-Walks könnten ihn überfordern.
Sozialisierung fördern aber nicht Überfordern
Zwei der drei täglichen Spaziergänge dienen der Entspannung und verlaufen ähnlich: Je nach Alter 30 – 50 Min im Grünen, möglichst an einer 10 m Schleppleine oder ohne Leine. Das ist wichtig, denn nur ohne Leine kann der kleine Hund entspannt seiner Nase nachgehen. Dazu kommen noch einige kurze Pipi-Gassigänge.
Für die Abenteuerspaziergänge sähe ein guter Wochenplan z.B. wie folgt aus: Montag treffe ich mich mit einer Freundin von der Welpenspielstunde für 30 Minuten im Park, Dienstag fahre ich stadtauswärts und mache eine halbe Stunde Waldspaziergang, Mittwoch gehe ich in die Welpenspielstunde, Donnerstagabend gehe ich nach Ladenschluß (!) durch eine Fußgängerzone der nächstgrößeren Stadt, am Freitag wieder Welpenspiel, am Samstag besuchen wir die Freundin mit Ihren Kindern für maximal eine Stunde und am Sonntag gehen wir zum Pferdehof und lernen Ponys kennen.
Wenn ich zu Fuß mit meinem Hund zu den „Abenteuer-Plätzen“ gehen würde, könnte ich das Bewegungspensum schnell überschreiten. Also lieber mit dem Auto oder dem Bus vor Ort fahren (und auch das gleich üben). Wenn ich länger als eine Stunde bei der Freundin und ihren Hunde-begeisterten Kindern bleibe, kann das für die meisten Hunde sehr viel Reiz-Input bedeuten. Und wenn ich meinen Welpen zu den Einkäufen am Samstag in der Innenstadt mitnehme habe ich ihn definitiv überfordert! Wir möchten unseren kleinen Hund ja fördern aber nicht überfordern!
Und zwischendrin brauchen die kleinen Abenteurer – wie jedes junge Tier – Schlaf und Ruhe in den heimischen 4 Wänden, um alles zu verarbeiten und damit ihre Ausgeglichenheit zu bewahren.
Anzeichen für Stress und Überforderung
Man sieht schnell – die ersten Monate mit dem Hund bedeuten ein ständiges Abwägen zwischen Ruhe und Förderung.
Zeichen für die Überforderung ist abendliche Unruhe, lange anhaltende „Crazy-5-Minutes“, ständiges Zerkauen und Zerbeißen, aggressives Spiel und fehlende Beißhemmung.
Tückisch ist, dass dies aber auch Zeichen von Stress bei Welpen sein können (z.B. durch permanente Unruhe im Haus) und manche der Symptome könnten auch auf eine Unterforderung hinweisen.
Deshalb ist es so wichtig, eine gute Hundeschule oder eine Tierarztpraxis mit gutem Fachwissen über Welpenverhalten an seiner Seite zu wissen. Ein guter Trainer erfasst die Situation und den Charakter des Hundes schnell und hilft dabei, ein altersgerechtes und für jeden Hund individuell passendes Programm gemeinsam mit Dir zusammenzustellen.
Wenn man neben dem kleinen Hund noch eine Familie zu managen oder seinen Job zu erledigen hat, wird schnell klar: Ein junger Hund ist fast ein Full-Time-Job, wenn man es richtig machen will. Ein Mitläufer ist ein Welpe auf keinen Fall. Bei zu wenig Auslastung oder zu viel Stress wird er Wege finden, sich in unseren Blickwinkel zu schieben. Und das nicht immer auf angenehme Art und Weise…
Informiert Euch – am besten vor Ankunft des neuen Hundes gut über die ersten gemeinsamen Wochen, damit diese zu einem guten Start zu einem perfekten Team für`s Leben werden!